eFG% und True Shooting: Effizienz-Metriken für die Wettanalyse

Updated Juli 2026
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Statistik-Tabelle mit Effizienz-Metriken von NBA-Spielern

Ich erinnere mich an einen Streit mit einem Kollegen, der vor Jahren mit Feldwurfquote argumentierte, dass ein bestimmter Point Guard „ineffizient“ sei. Der Spieler traf 43 Prozent aus dem Feld — nach alten Maßstäben unterdurchschnittlich. Er warf allerdings 8 Dreier pro Spiel und traf davon 40 Prozent. Sobald ich ihm eFG% und True Shooting gezeigt habe, war die Diskussion vorbei. Klassische Feldwurfquote ist in der modernen NBA eine Rechengröße aus den 1990ern. Wer sie noch als Haupt-Effizienz-Maß nutzt, wettet auf einer Realität, die es seit über zehn Jahren nicht mehr gibt.

Die eFG%-Formel: warum ein Dreier 1,5 Körbe wert ist

Effective Field Goal Percentage korrigiert die alte Feldwurfquote um den Mehrwert des Dreiers. Die Formel: Getroffene Feldwürfe plus 0,5 mal getroffene Dreier, geteilt durch alle Feldwurfversuche. Ein Zweier zählt weiterhin als ein Korb, ein Dreier zählt als 1,5 Körbe. Damit bildet eFG% ab, was in der Punkte-Realität tatsächlich passiert: Dreier sind 50 Prozent wertvoller als Zweier, und eine Effizienz-Metrik muss das reflektieren.

Praktisch heißt das: Ein Spieler mit 45 Prozent FG% kann eine deutlich höhere eFG% haben als ein Spieler mit 52 Prozent FG% — wenn ersterer primär Dreier wirft und letzterer primär aus dem Feld am Korb punktet. Genau diese Verzerrung führt dazu, dass oberflächliche Wettmodelle auf veralteter Feldwurfquote beruhen und Dreier-schwere Offensive systematisch unterschätzen. Wer Teams vor Totals-Wetten bewertet, sollte reflexartig eFG% statt FG% nachschlagen — der Unterschied zwischen beiden Zahlen ist oft zwei bis vier Prozentpunkte, und zwei Prozentpunkte Effizienz mal 100 Possessions sind zwei bis drei Gesamtpunkte, die direkt in die Linie einfließen.

TS%: Freiwürfe mit einrechnen

True Shooting Percentage geht einen Schritt weiter und rechnet auch Freiwürfe in die Effizienz-Gleichung. Formel: Punkte geteilt durch (2 mal (Feldwurfversuche plus 0,44 mal Freiwurfversuche)). Der 0,44-Faktor gewichtet die Freiwurfversuche, weil nicht jeder Freiwurf einen eigenen Ballbesitz beendet (bei Fouls während eines erfolgreichen Wurfs folgt zum Beispiel nur ein Bonus-Freiwurf).

TS% ist die vollständigere Metrik, weil Spieler mit hohem Foul-Draw-Profil sonst systematisch unterbewertet werden. James Harden, Joel Embiid, Giannis Antetokounmpo — sie alle haben Phasen, in denen ihre eFG% nicht überwältigend aussieht, aber ihre TS% an der Spitze der Liga steht. Die Differenz zwischen beiden Werten entspricht dem Punkt-Gewinn durch die Freiwurflinie. Wer Spielerwetten auf Punkte macht, braucht TS% statt eFG% — und wer Team-Totals rechnet, sollte Team-TS% als zweite Absicherungsgröße neben Team-eFG% führen.

Jarrett Allen 70,63 Prozent: der Extremfall

Jarrett Allen führte 2024-25 die NBA-Feldwurfquoten-Rangliste mit 70,63 Prozent an. Das ist eine Zahl, die in der modernen NBA eigentlich nicht mehr existieren sollte — bis man versteht, dass Allen praktisch nur Würfe am Korb nimmt. Seine Rolle im Cleveland-Angriff ist klar definiert: Rollman im Pick-and-Roll, Offensive-Rebounder, Finisher von Lob-Pässen. Er wirft keine Dreier, keine Mitteldistanz, fast keine Würfe außerhalb der eingeschränkten Zone.

Das klingt nach Effizienz-Paradies. Ist es aber auch nicht ohne Einschränkung. Allens eFG% liegt bei identischen 70,63 Prozent (weil er keine Dreier wirft, addiert die Formel nichts dazu). Seine TS% liegt bei rund 75 Prozent wegen solider Freiwurfquote. Im Vergleich dazu hat ein typischer Elite-Shooter mit 48 Prozent FG%, aber hoher Dreier-Rate eine eFG% von rund 60 Prozent und eine TS% von 62 bis 64 Prozent — schlechter als Allen, aber mit viel größerem Wurfvolumen.

Der Wett-Schluss: Effizienz-Metriken sind nur im Kontext von Volumen und Rolle aussagekräftig. Allen bekommt vielleicht acht Wurfversuche pro Spiel. Ein Volumen-Scorer mit 22 Würfen pro Spiel und 60 Prozent eFG% liefert mehr absolute Punkte als Allen mit 70 Prozent. Für Totals zählt absolute Offensiv-Produktion, für Spielerwetten zählt Kombination aus Effizienz und Usage Rate.

Wie eFG% und TS% in ein Wettmodell einfließen

Der einfachste Weg, Effizienz-Metriken in Totals-Schätzungen einzubauen, ist der Team-Effizienz-Multiplikator. Ich nehme das Team-eFG% und gleiche es am Liga-Durchschnitt (in der Regel 54 bis 55 Prozent in der aktuellen NBA) ab. Jeder Prozentpunkt über oder unter dem Ligaschnitt entspricht etwa 1,5 Punkten pro 100 Possessions. Ein Team mit 57 Prozent eFG% ist damit offensiv etwa 3 Punkte effizienter als ein Durchschnittsteam, bei 100 Possessions also 3 Punkte mehr. Gegen einen durchschnittlichen Gegner addiert sich der Effekt direkt zur Totals-Schätzung.

Die gleiche Rechnung funktioniert für TS%, aber TS% hat einen etwas höheren Ligadurchschnitt (rund 58 Prozent im Team-Schnitt) und reagiert sensibler auf Freiwurf-Variation. Ich nutze TS% als Kontroll-Größe: Wenn Team-eFG% und Team-TS% denselben Abstand zum Ligaschnitt haben, ist die Effizienz-Schätzung robust. Divergieren beide Werte — etwa weil ein Team viele Fouls zieht, aber schlecht wirft —, muss ich genauer hinsehen. Die vollständige Integration dieser Metriken in ein Totals-Modell behandle ich zusammenhängend im Over/Under-Kapitel, wo Pace und Effizienz zu einer konkreten Linien-Schätzung kombiniert werden.

Was nackte Prozentsätze nicht sagen

eFG% und TS% sind Effizienz-Metriken, keine Leistungs-Prognosen. Ein Team mit 58 Prozent eFG% über eine Saison kann in einzelnen Spielen auf 48 Prozent einbrechen, wenn das Matchup defensiv schwer ist oder die Dreier nicht fallen. Umgekehrt können durchschnittliche Teams in einzelnen Spielen 62 Prozent eFG% erreichen. Effizienz-Zahlen sind stabil über Monate, aber nicht über Einzelpartien. Für Wetten bedeutet das: Saison-eFG% gehört in jedes Modell als Basis, aber die letzten fünf bis zehn Spiele gehören als Kontext-Schicht darüber. Und die Matchup-Defensive gehört als zweite Kontext-Schicht dazu — ein Spitzen-Offensivteam gegen eine Spitzen-Defensive produziert oft ein Spiel, dessen Effizienz deutlich unter dem Saisonschnitt beider Teams liegt.

Noch eine Warnung: Team-eFG% ist eine aggregierte Zahl, die Unterschiede zwischen Starter-Fünf und Bank-Fünf verschmiert. Ein Team kann insgesamt 55 Prozent eFG% erreichen, obwohl die Starter-Lineup bei 60 Prozent liegt und die Bank-Lineup nur bei 48 Prozent. Wenn die Starter in einem bestimmten Spiel länger als üblich auf dem Feld bleiben — zum Beispiel in einer engen Partie ohne Garbage Time — liegt die erwartete Team-eFG% in diesem Spiel höher als im Saisonschnitt. Umgekehrt drückt Garbage Time mit Bank-Minuten die aggregierte Effizienz unter den Starter-Wert.

Wer Effizienz-Metriken ernsthaft in ein Wettmodell einbauen will, sollte daher Lineup-eFG% und Lineup-TS% aus Basketball-Reference oder vergleichbaren Datenquellen abrufen und die erwartete Minutenverteilung der Starter mit einrechnen. Das ist mehr Arbeit, als die meisten Wetter investieren — genau deshalb liefert die Schicht konsistent Edge, obwohl die Basiskonzepte eFG% und TS% längst Allgemeingut sind.

Wann ist eFG% aussagekräftiger als TS%?

Wenn ein Team oder Spieler kaum Freiwürfe zieht. In diesem Fall konvergieren beide Metriken und eFG% ist einfacher zu interpretieren. Für Spieler mit hohem Foul-Draw-Profil wie Joel Embiid oder Giannis Antetokounmpo ist TS% die präzisere Metrik.

Welche Stichprobengröße brauche ich für TS%-Auswertung?

Für Team-TS% reichen etwa 30 Spiele, um das Rauschen deutlich zu reduzieren. Für Spieler-TS% braucht es mindestens 500 Wurfversuche, um stabile Werte zu bekommen. Unterhalb dieser Schwelle produzieren Einzelspiele zu viel Varianz, um Langfristprognosen zu tragen.

Wie nutze ich TS% für Spielerwetten?

Kombiniert mit Usage Rate. Ein Spieler mit hoher TS% und niedriger Usage Rate liefert effizient, aber in kleinen Volumina. Für Punkte-Prop-Prognosen multipliziere ich Usage Rate mit Pace und gewichte das Ergebnis mit dem TS%-Abstand zum Ligaschnitt.

Erstellt von der Redaktion von „Sportwetten Basketball Strategie”.

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